Einrumpfboote, Mehrrumpfboote, Frust mit der Rumpfgeschwindigkeit

Datum
Kommentare Keine

Formel Rumpfgeschwindigkeit

(Quelle: Wikipedia )

So berechnet sich die Rumpfgeschwindigkeit: Du gibst die Länge der Wasserlinie deines Bootes in die obenstehende Formel ein und bekommst als Ergebnis eine Geschwindigkeit. Nein, nicht irgendeine, sondern die maximale Geschwindigkeit, die dieses Boot erreichen kann, es sei denn, es nähme den Zustand des Gleitens an.

Ein fünf Meter langes Boot kann also 10km/h erreichen, und danach nur mit viel Kraftaufwand in Gleitfahrt übergehen (die dann je nach Leistung fast beliebig schnell werden kann).

Kleinere Motorboote sind demnach natürlich fast immer Gleitboote, sonst wären sie lahm. Und Motoren bieten ja auch jede Menge Leistung, indem sie jede Menge Stoff verbrennen.

Segelboote dagegen sind selten in der Lage, in Gleitfahrt zu geraten. Sehr leichte Boote, meist Jollen, können ins Gleiten kommen, wenn der Wind von der Seite oder schräg von hinten kommt. Das macht richtig Spaß, und man muss als Steuermann gut aufpassen, weil das Boot dann sehr empfindlich reagiert. Für Touren, z.B. mit Kindern, und Gepäck in der Kajüte, also viel Gewicht und dem Risiko, dass im Falle des Kenterns viel nass wird, ist das eher nichts. Für schwerere Boote mit Kiel untendran sowieso nicht.

Die fahren dann halt höchstens mit Rumpfgeschwindigkeit, nicht als Gleiter, sondern als Verdränger. Der Wind frischt auf, das Boot legt sich schräg, Power ist da! Und? Was passiert? Werden wir schneller? Nein! Natürlich nicht! Geht ja nicht, die Physik ist im Weg!

Dann fahren wir schräg vor dem Wind, optimaler Kurs, die Welle kommt noch dazu und rollt von hinten heran, hebt unser Heck, schiebt uns mit Macht! Und? Was passiert? Sie rollt unter uns durch! Auf der Rückseite der Welle rutschen wir sogar rückwärts runter, werden also noch gebremst. Dann kommt die nächste Welle, hebt uns an, und … Frust!!!

Warum nervt das eigentlich die ganzen Segler nicht? Weil sie es nicht anders kennen? So ist das halt beim Segeln? Sind sie alle noch nie Katamaran oder Trimaran gesegelt, also ein Boot mit zwei oder drei Rümpfen?

Warum ist denn jetzt die Physik bei so einem Mehrrumpfboot anders? Dort können die Rümpfe halt viel schmaler sein, da nicht ein einzelner Rumpf das Boot aufrecht halten muss, sondern ein weiterer Rumpf daneben steht. Also wenn du immer auf einem Fuß stehen müsstest, dann wäre ein breiter Fuß schon sinnvoll, um nicht zur Seite zu kippen, aber du hast ja zwei Füße, die können sogar so schmal wie Schlittschuh-Kufen sein und du kippst nicht um!

Ein schmaler Rumpf aber macht kaum Wellen. Er schiebt auch keine nennenswerte Bugwelle vor sich her, die er erklimmen müsste, um noch schneller zu werden. Und das war’s auch schon. Kein großes Geheimnis.

So sitzt du dann auf deinem Katamaran, der Wind schräg von hinten, du bist schon so recht schnell, und dann kommt eine ordentliche Welle von hinten herangerollt, sie hebt das Heck an, das Boot beschleunigt, vor dir das Wellental, hinter dir die Welle die dich schiebt, rauschende Fahrt bergab, minutenlang, die Segel brauchen kaum was tun und hängen fast schlaff am Mast –– so kann Segeln sein!

Wie gesagt, auch Gleitjollen können ein tolles Erlebnis sein, aber wer Segeltouren mit Segelspaß verbinden will, der sollte wenigstens mal probesegeln auf einem Mehrrumpfboot.

Autor
Kategorien ,

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentare

Geben Sie Ihren Kommentar hier ein. * Eingabe erforderlich. Sie müssen die Vorschau vor dem Absenden ansehen.





← Älter Neuer →