Menschen, Pöbel, Shitstorms, Erwachsene und Kinder

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Es wird ja ständig wieder drüber gebloggt und geschrieben, Hatespeech und Shitstorms, angeblich die Auswüchse der Anonymität im Internet, oder des Internet an sich… Inspiriert hat mich übrigens sehr der Text There will be blood auf nerdcore.de .

Doch auch das Real Life bietet jede Menge Anonymität, mindestens in Großstädten, oder auch an anonymen Orten, wie zum Beispiel einem großen Supermarkt oder in einer großen Menschenmenge.

Auch da gibt es dieses “die Sau rauslassen”, pöbeln, Stunk machen, rebellieren gegen die Ordnung, gegen die (vielleicht Überhand nehmende?) politische Korrektheit, mal einen Jogurt rausnehmen und im Fleischregal stehen lassen! Mal einen Ellenbogen ausfahren oder auf den Fuß treten. An der Kasse ordentlich beschweren über ‘ne Kleinigkeit. Usw.

Oder im Straßenverkehr: Wer sich sonst nie traut, der fährt hier vielleicht einfach mal über ein Stoppschild oder 60 statt 50 und freut sich innerlich (unbewusst) über dieses “sich was rausnehmen”. Und geschimpft und beleidigt wird hier ja wohl auch schon immer.

Das hat also mit Internet nichts zu tun, hier tritt es nur für uns Kopfmenschen greifbar zu Tage, wir können es lesen und drüber schreiben, es analysieren, hinterfragen, Thesen aufstellen und Theorien.

Jeder von uns trägt es in sich, das rebellische Kind, uns wurde früher gesagt (wie jedem Kind): Das darfst du nicht, so geht das nicht, sei vernünftig, sei sozial, sei lieb, sei nicht brutal, nicht gewalttätig, hau nicht kratz nicht beiß nicht. Und in jedem kommt es ab und zu mal hoch, dieses Kind, denn der Erwachsene hat es nicht 100% unter Kontrolle, und dann schreibt es unvermittelt: “Häng dich doch auf, du Opfer!”

Damit spricht es zum Einen den Erwachsenen in dir an, der sofort antwortet: “Das darf man nicht!” Und zum Anderen das Kind in dir, das vielleicht beleidigt reagiert oder mit Aggressivität antwortet, sich wehrt, oder die Opferrolle annimmt.

Werden wir uns nicht genauso daran gewöhnen wie an die alltäglichen Grenzüberschreitungen im Gedränge oder im Verkehr? Vielleicht fällt es noch schwer, im Internet den Kontext zu erfassen, wir sind es nicht gewöhnt, in diesem schriftlichen Umfeld so konfrontiert zu werden. Wo doch eigentlich der Erwachsene mit Kopf und Vernunft regiert.

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